26. Februar 2013

Packeis und Wüstensand

Gedanken von Thomas Dillenhöfer

Es gab ja in letzter Zeit immer wieder Diskussionen um Positionen, um Haltungen. Man spricht da gerne von links und rechts und von der Mitte, von liberal und konservativ.

Ich habe es bisher immer als große Bereicherung gesehen, dass Menschen mit so unterschiedlichen Ansichten, Herkünften und Hintergründen in einem Chor singen.

Und dann gab es Stunden, in denen in gedacht habe, dass es ein unmöglicher Spagat ist, so unterschiedliche Menschen zusammen zu halten. Nicht umsonst gibt es so unterschiedliche, aber in sich abgestimmte Gemeinden, Formationen, Initiativen.

Ich habe eine kleine Geschichte gelesen, die mich wieder bestärkt hat, mit und in Gio den Versuch zu wagen, vielfältig und bunt zu denken und zu leben.

Vernünftig

Packeis und Wüstensand hatten sich ineinander verliebt und überlegten zu heiraten.

“Sei vernünftig”, beschworen seine Freunde den Wüstensand, “das Eis wird dich binden und das herumtreiben wird Dir fehlen.”

“Sei vernünftig”, beschwor auch die Mutter das Packeis, “nichts wird mehr so sein, wie es mal war. Der warme Sand wird Dich völlig vereinnahmen.”

Beide taten es dennoch und gemeinsam brachten sie die Wüste zum blühen.

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05. Februar 2013

Bewahre uns Gott davor, Dinge bloß nicht falsch zu machen

Gedanken von Thomas Dillenhöfer

Bewahre uns Gott davor, zufrieden zu sein mit dem, was wir nicht falsch gemacht haben.

In dieser Gefahr stehe ich als Mensch und vor allem als Christ mit einem bestimmten Gottesbild. Als Christ möchte ich es Gott recht machen und das ist ja nichts Schlechtes.

Wenn ich es aber wirklich beherzige und mich von der Angst bestimmen lasse, nur nichts falsch zu machen, mache ich irgendwann nichts mehr oder zumindest nichts Neues mehr, denn man kann sehr viel falsch machen.
Es ist aber nicht wirklich das Entscheidende nichts falsch zu machen. Ich glaube, gelingendes Leben ist mehr als darauf bedacht zu sein, möglichst nicht viel falsch zu machen.

Manche meinen, man müsse die Fehler der anderen nicht auch noch machen. Vielleicht muss man wirklich nicht alle Fehler wiederholen. Aber ich glaube, manchen täte es sogar gut, bestimmte Fehler selber zu machen. Die Erfahrung ist spürbar. Etwas Erlebtes ist konkreter als etwas, das man nur im Kopf hat.

Hier verschieben sich die Grenzen. Wer nichts falsch machen will, engt sich ein, das Denken macht zu, schränkt das Leben ein. Das hat wenig mit Mut zu tun und macht auch unseren Gott sehr klein. Wir leben von der Vergebung und Paulus sagt: “Wohl dem, dem viel vergeben wird.” Dahinter steckt aber auch: Der hat nicht alles richtig gemacht.

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22. Januar 2013

Wie man es macht

Ein Vater reitet auf einem Esel
Und neben ihm läuft sein kleiner Sohn.
Da sagt ein Passant empört:
„Schaut euch das an.
Der lässt seinen kleinen Jungen
neben dem Esel herlaufen.“
Der Vater steigt ab und setzt
seinen Sohn auf den Esel.

Kaum sind sie ein paar Schritte gegangen
ruft ein anderer: “Nun schaut euch die beiden an. Der Sohn sitzt
Wie ein Pascha auf dem Esel und der alte Mann muss laufen.“
Nun setzt sich der Vater zu seinem Sohn auf den Esel.

Doch nach ein paar Schritten ruft ein anderer empört:
„Jetzt schaut euch die beiden an. So eine Tierquälerei.“
Also steigen beide herab und laufen neben dem Esel her.

Doch sogleich sagt ein anderer belustigt:
„Wie kann man nur so blöd sein.

Wozu habt ihr einen Esel, wenn ihr ihn nicht nutzt?”
… kann passieren, wenn man es allen recht machen möchte.

Das klingt übertrieben. Und natürlich muss es das. Aber soweit sind wir manchmal nicht davon weg.

Ich musste bei der Geschichte unwillkürlich an Jesus denken.
Er war sicher keiner, der es den Leuten recht machen wollte.
Er hatte eine Idee vom Leben, wie er es für richtig hielt, und wie es seiner Meinung nach gelingt. Und dem ist er nachgegangen.

Den Pharisäern war er zu liberal, so wie der mit Menschen umgegangen ist.
-       er hat an Feiertagen Menschen geheilt
-       er hat sich mit Frauen, mit Bänkern und Ausländern unterhalten.
Weil Ihm die Menschen wichtiger waren als die von Menschen gemachten Gesetze.

Und für viele Liberale Juden und vor allem die Römer war er ein religiöser Spinner und Fanatiker.

Ich glaube unser Leben hier auf der Erde hat Kraft, wenn wir Position beziehen und nicht alles und jede Meinung gleich wertig ist und wir versuchen, es allen recht zu machen.

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15. Januar 2013

Jahreslosung 2013

Gedanken von Thomas Dillenhöfer

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
(Hebräer 13,14)

Die Suche nach einer Heimat steckt hier drin. Nach Heimat als einem Ort der Sehnsucht nach Unversehrtheit und Geborgenheit. Nach einem Ort, wo ich weiß: Hier gehöre ich hin.

Ich laufe Gefahr, das Leben nur einseitig unter dem Aspekt der Vergänglichkeit und Vorläufigkeit zu sehen. Dann versäume ich die vielen Möglichkeiten hier auf der Erde, Leben zu gestalten. Es ist eine Lebenskunst, den Augenblick zu leben und zu genießen trotz der Erkenntnis, dass ich hier nicht bleiben werde.

Das andere Extrem ist, wenn für mich nur zählt, was ich auf dieser Erde erreiche, und allein bei mir liegt die Verantwortung für das Gelingen meines Lebens. Ein unglaublicher Druck lastet auf mir, mein Leben perfekt meistern zu müssen, alles im Hier und Jetzt geregelt zu bekommen.

Ist Glaube ein vertrösten auf was auch immer? Dann, wenn mir mein Leben Mühe macht? Es ist eher Trost als Vertrösten.

Glauben heißt, mit Gott unterwegs zu sein, immer wieder neu aufzubrechen mit und zu ihm. Hier auf dieser Erde mit offenen Augen unterwegs zu sein. Aber ich werde nie Heimat im umfassenden Sinn haben. Ich bin Gast auf Erden. Gast bei einem großzügigen Gastgeber. Aber Gast.

Und unterwegs muss es mich auch nicht wundern, wenn meine Sehnsucht nach Leben immer wieder aufbricht und nicht zur Ruhe kommt.

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21. November 2012

Kinderzeichnung

Du hattest ein Viereck gemalt,
darüber ein Dreieck,
darauf (an die Seite) zwei Striche mit Rauch -
fertig war
DAS HAUS

Man glaubt gar nicht,
was man alles
nicht braucht.                   (Reiner Kunze)


Gedanken von Thomas Dillenhöfer

Ich glaube, so ist es im Glauben auch. Wir brauchen Jesus Christus. Alles andere ist Beiwerk. Es ist von Menschenhand dazugebasteltes Beiwerk. Auch das ganze Weihnachtsfest. Manche finden es schön, manche nicht. Brauchen tun wir es nicht.

Was wir brauchen im Leben und Sterben ist Christus.
Wir brauchen Jesus, um Mensch zu sein.

Wir brauchen auch Heimat und Wertschätzung, Beziehungen, Licht und Freiheit. Nur kommen wir oft gar nicht dazu, uns um diese Dinge zu kümmern. Wir müssen uns im Supermarkt unter 35 Sorten Marmelade entscheiden, 12 Sorten Äpfel und Bier gibt es aus allen Herren Ländern. Es ist anstrengend, weil wir wählen müssen und nicht untergehen wollen im Überfluss. Wir müssen über so viele Nebensächlichkeiten nachdenken, dass uns, wenn es wesentlich wird, die Puste ausgeht. Das reduzierte am Klosterleben, macht es für viele so attraktiv. Es geht dort um das Wesentliche.

Jetzt beginnt die Adventszeit und damit die Zeit der Wünsche. Was schenken wir, was wünschen wir uns. Vielleicht kann diese Adventszeit eine Zeit sein, in der ich feststelle, was ich nicht brauche.

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