... singen ist Glückssache

GiO Blog & Berichte

MIGHTY WIND – Das Sommergospelwochenende für Stuttgart – 15.+16. Juli 2017

Kategorien: Allgemein,Event Nachbericht,GiOlino

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Mighty … Diese Sache mit den Dimensionen

Die Dimensionen sind so eine Sache für „Gospel im Osten“. Bis zu 500 Menschen füllten seit April wieder einmal jeden Dienstagabend die Friedenskirche für unsere Projektproben. Am vergangenen Wochenende trat GiO nun im vierten Jahr in Folge vor der Villa Berg auf, im Herzen des uns namensgebenden Stuttgarter Ostens. Das große Open-Air-Konzert am Samstagabend und ein Freiluftgottesdienst am Sonntagmorgen: ein Heimspiel mittlerweile. Trotzdem überraschten wir Stuttgart und uns selbst mit neuen Dimensionen.

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Besonders auffällig diesmal: Für die Chorbühne reichten die normalen Dimensionen der Veranstaltungstechnik nicht mehr aus. Damit alle 430 Sängerinnen und Sänger, dazu etwa 40 Teilnehmer aus zwei Gospelworkshops am Samstagabend Platz finden konnten, musste die Chorbühne nach hinten mit einer Spezial-Baugerüst­konstruktion verlängert werden. Dafür holten die Techniker einen Spezialisten an Bord, der sonst die Konstruktion etwa für das Snowboard-Spektakel BIGAIR auf den Cannstatter Wasen liefert.

Hoch hinaus ging es dann auch für die GiO-Sänger: Etwa eine Viertelstunde dauerte es allein, bis alle nach dem Einzug auf den Podesten standen, die letzte der 14 Reihen in gut drei Metern Höhe.

Die Konzertorganisation wird fast komplett ehrenamtlich gestemmt. Mit den Worten von Chorleiter Tom Dillenhöfer: „Es ist schon Wahnsinn, was unsere Ehrenamtlichen hier leisten. Bevor wir kommen, ist hier vor der Villa Berg nichts – und danach auch.“ Dazwischen aber entsteht dank vieler Helfer für zwei Tage eine komplett ausgestattete Konzert-Location. Der noch immer ungenutzten Villa Berg tut dies auch gut. Sie durfte dank des Chorauftritts und einer bunten Illumination wenigstens an diesem Sommerabend etwas erstrahlen.

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Ein lohnender Anblick und ein Fest auch für alle anderen Sinne – müssen viele Stuttgarter überzeugt gewesen sein: Trotz vieler paralleler Veranstaltungen in der Stadt, der Jazz Open und des Sommerfestivals der Kulturen, kamen noch einmal mehr als zu den Festivaltagen GOSPELOPEN im letzten Jahr. Sicher auch, weil Workshops und Konzert am Samstag zum offiziellen Programm des Landeskirchenmusikfestes gehörten.

Etwa 2500 bis 3000 Besucher füllten Samstagabend die Wiese vor der Villa, bis kein grüner Fleck übrig wahr. Belohnt wurden sie nicht nur mit einem diesmal besonders abwechslungsreichen und doch wie immer eingängigen Gospelsong-Programm, sondern auch mit angenehmem Sommerwetter, das auch die zirka 600 Besucher des Sonntagmorgen-Gottesdienstes nicht im Stich ließ …

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Zur Fotogalerie Open-Air 15.7.
GiO in der Festschrift des Landeskirchenmusikfestes

 


Große Gospelfeier und kleine Gnadenmomente

Sommerwind, Windstille, Windrose, Tornados, Sturm, der die Wolken über den Himmel trägt … Vieles ist den Kindern vom GiOlino-Chor dazu eingefallen, wie man Wind bezeichnen kann oder wofür Wind in unserer Sprache steht. Und mit diesen Beispielen beginnt der MorgenGospel am 16.7. vor der Villa Berg – wie letztes Jahr erneut ein Open-Air-Gottesdienst.

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Es ist ein so schönes Bild, wenn man auf den Chor blickt, der heute in roten und pinken und vereinzelt auch weißen Hemden, Blusen, T-Shirts und Kleidern dasteht, etwas kleiner als am Vorabend, aber immer noch mit rund 290 Sängerinnen und Sängern. Die leuchtende Kleidung spiegelt etwas von der Freude wieder, Gott zu dienen und ihm zur Ehre singen zu dürfen. Und der meint es dieses Jahr sehr gut mit uns, vor allem was das Wetter angeht. Die Sonne scheint und es weht ein leises Lüftchen, passend zum wunderschönen Namen unseres Sommerprojekts »Mighty Wind« (Mächtiger Wind). Wir singen dazu auch den gleichnamigen Song, übrigens mein Lieblingssong des Projekts – neben »The Lord’s Prayer«. Schon wegen der Akustik möchte ich dieses Lied auch einmal in einer Kirche singen dürfen. Denn der Wind, der verweht eben hier draußen schon auch manchen Ton.

Überhaupt geht es an diesem Tag noch viel um den Wind, den man selbst nicht sehen kann, sondern nur fühlen und seine Auswirkungen sehen. Das betont Pfarrer Albrecht Hoch in seiner Predigt – oder in seinem »Wortbeitrag«, so heiße es nämlich, im Unterschied zu einem »normalen« Gottesdienst, in unseren Gospelgottesdiensten. Die geschätzt 600 Besucher erfahren viel darüber, woher der Song »Mighty Wind« eigentlich kommt: Der Komponist Andraé Crouch, ein US-amerikanischer Gospelsänger, Pianist, Chorleiter, Arrangeur und Musikproduzent UND Pastor, wurde 1942 in San Francisco geboren und hatte damals nicht die besten Voraussetzungen. Er war Schwarzer und kam aus einfachen Verhältnissen, was es ihm nicht leicht machte. Trotzdem ist er unermüdlich seinem Gefühl und seiner Intuition gefolgt, Gott mit Musik auf eine moderne Art loben zu wollen. Dies brachte ihm später die Bezeichnung »Vater der modernen Gospelmusik« ein.

Auch Larry Norman war ein US-amerikanischer Sänger und Komponist und galt als einer der wichtigsten Vorreiter moderner christlicher Musik. Eine seiner Überzeugungen war: »Why should the devil have all the good music« (Warum sollte dem Teufel die ganze gute Musik gehören?). Und ich denke, ja, wie gut und schön ist es, dass groovende Musik auch in unseren Kirchen Einzug halten konnte und uns mitreißt und begeistert.

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Die GiOlinos singen »God is Able« sowie »I Know Who I Am« und es ist ein wunderschön, diese kleinen und großen Prinzessinnen und Prinzen zu sehen und zu hören. Es gehört viel Mut dazu, sein Können vor so einem großen Publikum unter Beweis zu stellen. Ein dickes Lob und einen herzlichen Dank darum an die GiOlinos und an die unermüdlichen Chorleiterinnen, ohne die dies gar nicht möglich wäre.

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Während des Gottedienstes laufen zwei kleine Jungs mit Kappe und Strohhut geschäftig hin und her und schleifen dann auf einmal einen riesengroßen Zweig, der um ein etliches größer ist als die beiden, hinter sich her. Sie strahlen über das ganze Gesicht. Leider kann ich nicht sehen, was sie mit dem Zweig machen. Doch es sind kleine Gnadenmomente, Momente des Glücks, und Szenen wie diese machen für mich diesen MorgenGospel genauso wie unser Singen zu dem, was er ist. Das Mädchen auf der Decke vor uns verliert seinen GiO-Luftballon. Er steigt auf in die Höhe und der Wind wird ihn hierhin und dorthin tragen – doch auf dem Boden geblieben, bietet die ältere Schwester der Kleinen sofort bereitwillig ihren Luftballon als Ersatz an.

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Pfarrer Hoch ermutigt die Zuhörer, den Glauben persönlich zu erleben, denn nur, was durch einen hindurchgehe, was man selbst erlebe, könne man weitergeben – oder weitersingen. In einem Gedicht von Hilde Domin heißt es: „Nicht müde werden sondern dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten.“ Nicht aufgeben sollten wir, sondern weitermachen. Uns auf Gott einlassen, denn unsere vermeintlichen Schwachstellen sind die Einfallstore seiner Machbarkeit.

Hier im Park vor der Villa Berg, in dieser ungezwungenen lockeren Atmosphäre zu sitzen, diesen Gospelgottesdienst mit allen feiern zu dürfen und diese Musik zu hören, betrachte ich als ein großes Geschenk und bin zutiefst dankbar, dass auch ich ein Teil dieses Chores sein darf.

 

Zur Fotogalerie Open-Air 16.7.

 


 

Text: Lennart Will, Monika Roth
Bilder: Ludmilla Parsyak, Lennart Will