... singen ist Glückssache

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Kategorien: Allgemein,ttc 2013

Logbuch: „ttc hat ADHS!“

Jeder Tag hat seine Besonderheit. Mindestens eine. Dieser Tag hat drei. Und jede ist – buchstäblich oder sprichwörtlich – Musik in den Ohren.

Nachdem die Ausflugsgruppen den Vormittag mit Shopping, Stadtführung oder in der Wilhlema verbracht haben, steht für den Nachmittag eine Schifffahrt auf dem Neckar auf dem Programm. An sich ist das eine gediegene Angelegenheit. Vielleicht auch in etwa das Richtige für jene St. Gallener, die erst seit einem Tag dabei sind. Aber etwas zu gediegen wohl für alle, die schon fünf Tage hinter sich haben – und das gilt für Anwesende aller Nationalitäten. So findet es sich, dass der Kapitän einwilligt, eine CD mit lateinamerikanischer Musik aufzulegen… Prompt beginnen Paare aller Konstellationen, tanzend übers Deck zu wedeln. Bisher galt noch: „Alle Chilenen haben ADHS!“ (Wiedergabe einer ironischen Selbstzuschreibung) Doch da offenbar alle Teilnehmenden Ruhe zunehmend als unerträglich empfinden, darf man wohl ergänzen: TTC hat ADHS. Fantastisch!

18:00 Uhr beginnt die Generalprobe mit herzlichen Begrüßungen untereinander, Umarmungen und Wangenküsschen (man lernt: mit Schweizern drei, mit Chilenen eins, bei Brasilianern zwei, mit Deutschen keins). Und setzt sich fort als berauschendes Einstimmen auf die bevorstehenden Konzerte. Die Klanggewalt weitet dabei nicht nur die Stimmen der Sänger im Schiff der Friedenskirche. Sie dringt auch zu anderen: Auf der Empore sitzen Besucher, die sich ‚time to celebrate‘ genommen haben und die Probenden durch ihre begeisterte Teilnahme unterstützen.

Wer nun wieder gruppenpsychologische Muster anlegen möchte, könnte meinen, der Chor hätte sich endgültig in der Phase des „Performing“ eingefunden, also der Arbeits- und Leistungsphase. Und ja, beim Singen findet sich eine Unzahl leidenschaftlicher Performer. Doch wichtiger als die Arbeit an einem möglichst perfekten Konzert bleibt das Wahrmachen des Slogans: Zeit zu finden, wirklich zu feiern. Und man findet sie: im chilenischen Restaurant ‚Tierra del fuego‘. Wie schon an den Vorabenden erwarten die Besitzer um die 35 TTC’ler… Es kommen 150. Direkt von der gelungenen Probe und mit reichlich Lust zu feiern und zu jubeln – oder in chilenischen Worten: “Unser Bedürfnis zu tanzen ist so groß, wir können es nicht mehr verstecken.” Das passt doppelt gut, denn dabei sind auch zwei Frauen von GiO, die nach chilenischem Gusto in ihren Geburtstag reinfeiern wollen. Anfangs überwiegt noch der Eindruck, das Personal sei überfordert mit dem Besuch, doch die gute Stimmung steckt auch sie an und bald packen sie einen Lautsprecher aus, um die Terrasse zu beschallen. Mitternacht wird draußen „Happy Birthday“ und „Viel Glück und viel Segen“ gesungen. Es ist der Anstoß zu einer Latinoparty, von der noch oft gesprochen werden wird: Trencito, Salsa, Merengue, pure Freude, und die Chilenen lehren, teils mit Erfolg, Schweizern und Deutschen die Schritte. Und um etwa 3:00 Uhr wird dem Feiern im Namen der Chorwoche mit “La buena vida” und “Now go in peace“ endgültig ein Denkmal gesetzt.

 

Im Bild: Alles ist im Fluss

 

Hinter den Kulissen: Von guten mächtigen Soundwänden

Wie war die Generalprobe heute für dich?

Cool war es. Laut und gewaltig. Hammersound vom Chor. Von meiner Position hier, wenn man direkt davor sitzt, hört man das ziemlich gut. Da kommt schon eine mächtige Sound-Wand rüber. Wenn man zum Beispiel bei „I bow down“ am Ende merkt, dass jeder nochmal fünf Prozent mehr gibt, da geht es echt ab und es läuft mir kalt den Rücken runter. Das ist Wahnsinn. Ich würde jedem empfehlen, dass er mal Klavier lernt – dann darf er hier vorn sitzen und dann hört er das.

 

Schon mal was mit einem vergleichbar großen Chor gespielt?

Nein, das ist definitiv der größte Chor, den ich bisher begleitet habe.

 

Wenn du spielst und Tom dirigiert, wirkt das in den Proben sehr organisch, wie zwei Gehirnhälften fast. Sieht das nur von außen so harmonisch aus?

Nein, wir merken das auf jeden Fall auch selber. So locker wie mit Tom geht es mit fast keinem sonst. Manchmal denke ich: Wow, das ‚flowt‘ jetzt aber richtig gut. Dass man sich einfach blind versteht, ist schon etwas Besonderes.

 

Wie sieht es mit der Gefühlslage angesichts der zwei bevorstehenden Konzerte aus? 

Ich freue mich auf jeden Fall drauf. Auch in diesen riesigen Hallen zu spielen. Vor ein paar Jahren hätte ich wahrscheinlich nicht geglaubt, dass ich einmal in der Liederhalle spielen darf. Ich hoffe zwar noch irgendwie, ich bin dann fitter als jetzt direkt nach der Generalprobe. Es war ja schon viel los die letzten Tage. Aber jetzt sind die Konzerte und jetzt gilt’s und da freue ich mich drauf.

 Alex spielt die Klavierbegleitung von Gospel im Osten und jetzt bei ‚Time to celebrate‘.
Für Gospel braucht es seiner Meinung nach aber nicht unbedingt 500 Sänger.
In „GOSPEL ZU 2WEIT“ stellt er derzeit einen aufs Duett reduzierten Gospel auf die Beine.
Danke, Alex.