
Es ist wieder soweit: Nummern kleben zur Orientierung auf dem Boden der Treppe hinauf zum großen Gemeindesaal der Friedenskirche und setzen sich dort in Schlangenlinien fort. Sie helfen dabei, den richtigen Platz in dem langen Lindwurm für den Einmarsch zum Konzert zu finden. Langsam formiert sich der Zug. Einige laufen noch hektisch die Schlange ab, auf der Suche nach dem richtigen Vordermann – obwohl, jetzt heißt es umdenken: Wer beim Abgang nach der Stellprobe vor mir war, muss fürs Einlaufen hinter mir stehen. Und wie ist das erst, wenn ich am Anfang einer Reihe stehe – ach ja, dann bin ich hinter der letzten Person aus der Reihe, die über meiner auf den Podesten steht. Einfach alles in umgekehrter Reihenfolge.

Vor dem Aufstellen gibt es für alle, die mögen, im großen Gemeindesaal noch einen Moment der Stille, des inneren Sammelns, der Dankbarkeit und des gemeinsamen Betens. Auch das ist GiO und macht diesen Chor, neben seiner Stimmgewalt und so vielem mehr, zu etwas ganz Besonderem.
Seit inzwischen zwölf Jahren singe ich bei Gospel im Osten, und doch ist es jedes Mal wieder ein aufregender und erhebender Augenblick, wenn die lange Schlange sich im Gemeindehaus in Bewegung setzt, noch einmal vor der Kirche wartet, dann die ersten Klänge der Band von drinnen zu hören sind und wir die volle Kirche betreten, durch die erwartungsfrohen Zuschauer auf die Bühne ins Scheinwerferlicht treten und aus vollem Herzen singen dürfen – was für ein Geschenk und wundervoller Start in die Adventszeit!

Text: Andrea Emmrich
Fotos: Gabriel & Ludmilla Parsyak
